Revitalisierung Sihl - SFVZ
Der Sportfischerverein Zürich wurde 1928 gegründet und zählt mit mehr als 100 Mitgliedern zu einem der grössten Fischervereine im Kanton Zürich. Wir setzen uns für Nachhaltigen Umgang mit dem Lebensraum Wasser aktiv ein und ermöglichen den Mitgliedern viele Vorteile für ihr Hobby.
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Revitalisierung Sihl

beim Zürich HB
Zusammenfassung Sitzung AWEL vom 05.06.2012 betreffend Wiederaufwertung Sihl beim Hauptbahnhof



Die Sitzung war im Bereich meiner Erwartungen, leider. Hochwasserschutz über alles!

Rückblick:


Mit dem Hochwasser im August 2005, bei dem 280 m3/s an Wassermassen unter dem HB durchgeflossen sind und die Sihl einen 2¼ Meter höheren Pegelstand hatte, wurde das AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) aufgeschreckt. Nun musste dringend etwas unternommen werden (obwohl das Problem eigentlich schon seit Jahrzehnten bekannt war).
Dringend hiess dann, dass man 2 Jahre später mit dem Bau der Durchmesserlinie (kurz DML) die Auflandungen oberhalb und unterhalb der Sihl abbaggerte, damit 1. während der Bautätigkeiten das Wasser ungestört abfliessen konnte und 2. bei einem nochmaligen Hochwasser keine Vorwürfe an die Adresse des AWEL gelangen konnte (man hätte nichts unternommen).

Ausgangslage:


In der Verfügung der Baudirektion von 2007 wurde dem SFVZ zugestanden, dass nach den Bautätigkeiten – DML eine Wiederaufwertung der Sihl vorgenommen würde.
Zwischenzeitlich wurde das Gewässerschutzgesetz per 01.01.2011 revidiert und die Kantone haben vom Bund ein Zeitfenster für Revitalisierungen bekommen; Entscheide bis 2014 festlegen, Umsetzungen ab 2020.
Die Wiederaufwertung, also die Wiederherstellung des von den Baggerungen betroffenen Gewässerabschnittes auf den Stand vor 2007, hat eigentlich nichts mit einer Revitalisierung zu tun. Leider vermischt sich da das langwierige Thema Hochwasserschutz mit unseren Forderungen und dem vom Bund auferlegten Terminen bezüglich Revitalisierungen. Somit war es auch nicht verwunderlich, dass sich das AWEL betreffend Wiederaufwertung nicht bei mir gemeldet hat. Der Anstoss zur Sitzung musste also vom SFVZ kommen.

Die Sitzung vom 05.06.2012:


Die Vertreter vom UBS Revier 354, Schanzengrabenrevier 422 und vom stark betroffenen Sihlrevier 410 bekamen zuerst einmal einen 10-minütigen Film zum Thema Hochwasser präsentiert. Danach nochmals 10 Minuten Ausführungen über Lösungsmöglichkeiten sowie dem dazugehörigen Zeitfenster zu diesem Thema.
Bevor ich meine Vorschläge zur Wiederaufwertung des Sihlabschnittes vortragen durfte, wurde seitens AWEL klargemacht, dass der Bereich rund um den HB Zürich tabu für jegliche bauliche Massnahmen im Fluss sei. Dies wäre vor der Bevölkerung nicht zu vertreten. Der Hochwasserschutz und die Sicherheit der Stadt Zürich hätten oberste Priorität. Punkt!

Zur Klarstellung was beim AWEL und beim Regierungsrat oberste Priorität bedeuten, hier die Details:
Die 1. Variante, um die Stadt Zürich vor einem Extremhochwasser (550m3/s) zu schützen, wäre ein Entlastungsstollen höhe Thalwil. Wobei das Sihlwasser in den Zürichsee abfliessen würde. Wieviel m3/s es genau wären, ist Stand der Abklärungen. Die Funktionalität ist aber unbestritten. Kostenpunkt 130 Mio CHF, welche einem Schadenpotenzial von 5 Milliarden CHF gegenüberstehen. Bauende ca. 2018.
Die 2. Variante ist die Vergrösserung des Pumpstollens Sihlsee zum Kraftwerk Etzel. Von den Kosten her viel interessanter, jedoch frühestens erst per 2026 (!) fertig zu stellen.
Bis eines der beiden Projekte fertig gestellt ist, wird keine Wiederaufwertung des Sihlabschnittes in Betracht gezogen.
Jeder vernünftige Mensch würde nun die 1. Variante sofort umsetzen, da die Hochwassersicherheit so schnell wie möglich gewährleistet werden muss. Unverständlicherweise werden beide Varianten noch geprüft und man tendiert eher zu Variante 2…
Man beachte: seit dem Hochwasser 2005 sind bereits 7 Jahre vergangen. Bis der Entlastungsstollen betriebsbereit wäre würden nochmals 6 Jahre vergehen. Doch nimmt man mit dem Etzelprojekt sogar weitere 8 Jahre in kauf. Das würde heissen, dass die Stadt Zürich erst 21 Jahre nach dem grossen Hochwasser sicher würde! Gleichzeitig stellt das AWEL fest, dass die Unwetter in den letzten Jahrzehnten häufiger und stärker geworden sind. Somit riskieren Politik und Amt eine Überschwemmung der Stadt Zürich in den nächsten 14 Jahren!

Bemerkungen:


Den dringenden Hochwasserschutz mit obigen Begründungen vor die Wiederaufwertung zu stellen, stösst bei mir auf Unverständnis. Das hiesse für uns, dass in der Sihl die nächsten 6 bis 14 Jahre die katastrophale Flusssohle (10 cm Wassertiefe) bestehen bleibt. Fischwanderung ade!
Nur um es klarzustellen: der SFVZ möchte natürlich in keinerlei Hinsicht mit baulichen Massnahmen in der Sihl die Stadt Zürich gefährden!

Vorschlag AWEL:


Das AWEL sicherte mir nach langer Diskussion zu, dass meine Vorschläge möglicherweise in Modellversuchen mitberücksichtigt werden, um die Aufwertungsmöglichkeiten im Rahmen des Hochwasserschutzes zu prüfen. Diese Modellversuche werden 2014 abgeschlossen sein. Jedoch sollte der Bereich um den Bahnhof eigentlich gar kein Thema sein. Gütigerweise werden nun meine Vorschläge berücksichtigt…
Der Zielwert für die Modellversuche bewegt sich bei 250-300 m3/s. Das heisst, mittels diversen Varianten (Buhnen, Kiesbänke, Auflandungen, grosse Steine) wird geprüft, ob diese Wassermassen problemlos abfliessen könnten.
Ich hab nachgeschaut, was der Spitzenwert im 2005 (Bild: Daten BAFU) war: 280 m3/s **



Das AWEL will nun tatsächlich mittels Modellversuchen testen, was 2005 bereits funktioniert hat!? Logischerweise müsste ich also per 2014 grünes Licht für unsere Wiederaufwertungsmassnahmen bekommen!

Weiteres Vorgehen:


Aufgrund der Tatsache, dass diese Modellversuche nur Zeit und Geld verschwenden und während der nächsten Jahre im betroffenen Sihlabschnitt keine natürliche Fischwanderung möglich ist, werde ich einen neuen Antrag hierfür an die Adresse des AWEL richten.

 

Marc Peter
Präsident SFVZ

2. Antrag Sicherstellung Fischwanderung Sihlabschnitt beim HB

Grüezi Herr Marti

Vielen Dank für Ihre Zeit und Ausführungen vom letzten Dienstag, 05.06.2012.

Es verwundert mich, dass das AWEL und die Politiker beim Thema Hochwasserschutz so viel Risiko eingehen.
Zwei Projekte in Betracht zu ziehen, welche erst in 6 bzw. 14 Jahren eine Hochwassersicherheit bieten, überrascht.
Statt den Entlastungsstollen rasch zu bauen, lässt man wertvolle Zeit vergehen. Zumal bereits 7 Jahre seit dem Hochwasser-2005 verstrichen sind und man bisher schlicht und einfach Glück hatte. Die Wiederaufwertung des Sihlabschnittes „Gessnerbrücke bis Mattensteg“ mit der Begründung der „dringenden Hochwassersicherheit“ abzulehnen, wirkt da schon fast ironisch auf mich.

Wie Sie an der Sitzung erwähnten soll der Zielwert für die geplanten Modellversuche bei 250-300m3/s liegen.
Ich hab nun nachgeschaut was der Spitzenwert im 2005 war: 280m3/s – heisst, diese Menge Wasser ist mit Auflandungen, Kiesbänken usw. abgeflossen. Warum untersuchen was bereits funktioniert hat? Somit investiert das AWEL Zeit und Geld in Versuche, welche keine neuen Erkenntnisse aufzeigen können. Logischerweise müsste ich also per 2014 ein OK für die Wiederaufwertungsmassnahmen bekommen!
Doch warum nochmals 2 oder 3 Jahre warten? Meine Vorschläge für die Wiederaufwertung wären Hochwasserschutzkonform, davon bin ich überzeugt. Leider spielt die Politik mit und dabei ziehen wir Fischer natürlich den Kürzeren.

Jedoch können wir nicht akzeptieren, dass diese katastrophale Situation (vor allem im Sihlabschnitt HB bis Mattensteg) für die nächsten 6 oder 14 Jahre so bleibt! Auch wenn per 2014 ein OK für unsere Vorschläge käme, so würde es nochmals 1 oder 2 Jahre dauern bis die Wiederaufwertungen abgeschlossen wären.
Somit beantrage ich minimale Veränderungen in der Flusssohle (Strömungsrinnen, Ruhepools) damit die natürliche Fischwanderung bei normalen Wasserstand gewährleistet ist. Diese Veränderungen sollten so rasch wie möglich umgesetzt werden. Anbei erhalten Sie meine Version, welche natürlich von den Wasserbauprofis noch verfeinert werden sollte. Diese Veränderungen sind mit minimalem Aufwand umsetzbar.

Ich bitte Sie, meinen Antrag zu prüfen und freue mich auf Ihre Antwort.

Freundliche Grüsse

Sportfischerverein Zürich
Marc Peter, Präsident

Antwort auf 2. Antrag von AWEL

Sehr geehrter Herr Peter

Gerne möchte ich Ihnen aber mit etwas Verspätung unsere Haltung genauer erläutern.

Zu Ihrem ersten Kritikpunkt:
In Bezug auf den Entlastungsstollen lassen wir keine Zeit verstreichen. Die entsprechenden Abklärungen und Planungen laufen auf Hochtouren weiter. So dass bei einem Entscheid zugunsten des Stollens, dieser so rasch als möglich umgesetzt werden kann. Eine gleichzeitige Vertiefung des Konzeptes „Kombilösung Energie“ macht volkswirtschaftlich aber durchaus Sinn. Würde doch von einer solchen Kombianlage das gesamte Einzugsgebiet von Alp und Sihl profitieren und für den Kanton Zürich ergeben sich bzgl. Hochwasserschutzinvestitionen Einsparungen von gegen 70 Mio Fr. Die Kombianlage würde auch täglich durch die gesteigerte Energieproduktion einen Nutzen abwerfen und wäre nicht ein über mehrere Jahrzehnte ungenutztes Bauwerk, wie das der Entlastungsstollen sein dürfte. Selbstverständlich muss sich der Kanton Zürich zugunsten des Stollens entscheiden, wenn die Verhandlungen zur Kombianlage nicht vorankommen. Das Gleiche gilt auch, wenn sich zeigen sollte, dass eine Steigerung der Hochwassersicherheit für die Stadt Zürich durch Verbesserungen der aktuellen Sihlseesteuerung als notwendige Überbrückung der langen Umsetzungszeit einer Kombianlage nicht realisieren lässt. Wenn in den nächsten 2 bis 3 Jahren auf Basis von fundierten Grundlagen der Entscheid Stollen/Kombilösung fällt, wird absolut keine Zeit verloren. Lediglich Planungskosten für die eine oder andere Variante werden in den Sand gesetzt. Dies ist aus meiner Sicht aber gut investiertes Geld.

Zu Ihrem zweiten Kritikpunkt:
Ich war scheinbar am 5 Juni mit meinen Ausführungen zu wenig klar. Es steht überhaupt nicht zur Debatte, ob beim HB 250-300 m3/s durchgehen. Wie Sie selber feststellen, wissen wir dies seit 2005. Das Ereignis 2005 hat aber gezeigt, dass grössere Abflussmengen kaum mehr schadlos abfliessen können. Bei einem Extremereignis müssen wir heute mit 550 m3/s (also praktisch doppelt so viel Wasser) rechnen. Bei solchen Abflüssen sind einzelne Ihrer Ideen sicher ein Problem und können daher bis zu einer Umsetzung des Hochwasserschutzprojektes (Stollen oder Kombilösung) nicht zugelassen werden. Die Modellversuche beim HB machen wir, um die genaue Abflusskapazität beim HB (300 – 450 m3/s) auch bei einer natürlichen Sohlenentwicklung bei reaktiviertem Geschiebetransport zu kennen. Auch im Interesse der Fischerei haben wir kein Lust im Raum HB alle paar Jahre wieder baggern zu müssen. In laufenden Untersuchungen und den Modellversuchen wollen wir daher die Zielwassermenge in der Sihl (für ökologische Dynamik möglichst gross / Sicht Hochwasserschutz möglichst klein) sinnvoll festlegen und eine Gestaltung im Bereich HB erzielen, welche langfristig unter Einbezug der Sohlenentwicklung Bestand hat.

Weiteres Vorgehen bzgl. Ihrem Anliegen:
Kurzfristige und unüberlegte Eingriffe im sensiblen Bereich des HB kommen für uns nicht in Frage. Trotzdem nehmen wir Ihr berechtigtes Anliegen ernst. Voraussichtlich sollen im Auftrag der DML SBB Ihre Ideen durch ein geeignetes Planerteam (Wasserbauer, Fischökologe) geprüft werden. Ziel wäre die Umsetzung von geeigneten Strukturierungsmassnahmen schon vor der Realisation des übergeordneten Hochwasserschutzprojektes. Geeignete Massnahmen dürfen den Hochwasserschutz weder heute noch zukünftig beeinträchtigen und müssen im Rahmen des erweiterten Gewässerunterhaltes umsetzbar sein (ansonsten benötigte Projektfestsetzung würde zu viel Zeit und Resourcen in Anspruch nehmen). Sobald klar ist ob eine entsprechende Planung zu Stande kommt und wer die Planung ausführt, werden wir Sie informieren und allenfalls zu einem Austausch Planer/Fischer einladen.

Freundliche Grüsse

Christian Marti, Projektleiter

Wieso eine rasche Revitalisierung nicht möglich ist

Zusatzinformationen auf der AWEL Homepage:

Hochwasserschutz Zürich

Beginn der Aufwertungsarbeiten

 

Die Aufwertungsarbeiten der Sihl beim Zürcher Hauptbahnhof haben ende des Jahres 2017 begonnen. Hier einige Impressionen: